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Interview mit Patron Daniel Schöni 2019

«Unsere Flotte soll CO2-neutral werden»

Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt Daniel Schöni mehrere Technologien unter die Lupe. Im Interview berichtet er, was er bislang geschafft hat und wie er sein Vorhaben umsetzen will.

Seit wann gestaltet die Schöni Transport ihre Transporte nachhaltiger?

Angefangen hat dies im Jahr 2004, nachdem ein Kunde von uns zum zweiten Mal den Teufelsstein der Alpeninitiative für unsinnige alpenquerende Gütertransporte erhalten hat. Das war der Startschuss für uns, in den Kombiverkehr von und mit Italien einzusteigen. Was ein Jahr später erstmals mit fünf Aufliegern pro Tag und Richtung begann, erreichte bereits 2009 eine Spitze von 22’800 Auflieger im Jahr. Dies bedeutete eine Verlagerung von zwei Prozent des gesamten Alpentransits von der Strasse auf die Schiene.

Warum spielt das Thema Nachhaltigkeit für die Schöni eine so grosse Rolle?

Wir sind seit dem Jahr 2002 sehr stark gewachsen und mutierten vom Italienspezialist mit 35 eigenen LKWs zum Logistikdienstleister mit über 500 LKWs. Solch ein Wachstum geht nicht ohne Nebengeräusche. Oft wurden wir als «billiger Jakob» betitelt. Diese Rolle hatte ich satt. Grund, weshalb parallel in mir der Wunsch wuchs, nebst dem besten Preis und der besten Dienstleistung auch geringstmögliche Emissionen zu haben. Mein Ziel ist es, künftig der erste CO2-neutrale Transportdienstleister des Landes zu sein.

Was hat am Lean & Green-Programm von GS1 überzeugt?

Das Programm bezieht sich auf die gesamten Lager- und Transportprozesse. Basis des Engagements bilden der vom Unternehmen berechnete CO2-Fussabdruck sowie ein plausibler und regelmässig von L&G überprüfter Aktionsplan zur Erreichung des Reduktionsziels von mindestens 20 Prozent der relativen CO2-Emissionen. Das Label ist anerkannt und unterstreicht somit unser Bestreben.

Wie möchte Schöni die CO2-Neutralität im Transport erreichen?

Die älteste Massnahme ist der Kombiverkehr im Nord-Süd-Verkehr, mit welchem wir bis heute über 35‘000 Tonnen CO2 eingespart haben. Seit fünf Jahren proben wir mit Erfolg CO2-neutralen FAME Bio Diesel – hergestellt aus Speise- und Schlachtabfällen – beizumischen, um damit den CO2-Ausstoss der gesamten Flotte zu senken. Diese Massnahme hilft uns, mit der bestehenden Technologie und Infrastruktur schnell einen Beitrag zu leisten, ohne auf Neues zu warten. Ich schätze, dass wir damit allein im nächsten Jahr den CO2-Ausstoss um rund 6‘000 Tonnen reduzieren werden. Zudem werden wir im Januar 2021 die erste reine Biodieselflotte für einen neuen Grosskunden in Betrieb nehmen.

Inwieweit kann zudem Flüssiggas die CO2-Emissionen senken?

Seit dem Frühjahr 2019 betreiben wir als erstes Schweizer Unternehmen LKWs mit Liquefied Natural Gas, kurz LNG, im Nationalen und Internationalen Verkehr. Die Reduktion beträgt hier 16 Prozent, was noch sehr bescheiden ist. Können wir diese LKWs zukünftig mit LGG, also Liquified Green Gas, betreiben, werden sie ebenfalls CO2-neutral unterwegs sein, da LGG aus überschüssigem Strom hergestellt wird.

Die neueste Stossrichtung ist der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-LKW?!

Ja, richtig. In Kürze werden wir den ersten LKW dieser Art auf die Strasse bringen. Dies ist mit Sicherheit eine der zukunftsträchtigen Antriebsarten. Jedoch wird es noch viele Jahre brauchen, bis sich diese Technologie durchgesetzt haben wird und ausreichend Tankstellen gebaut sind. Die Schöni Transport AG ist Mitglied des Fördervereins «H2 Mobilität Schweiz», welcher das Ziel verfolgt, in der Schweiz ein flächendeckendes Netz an Wasserstofftankstellen aufzubauen.

Wie sehen die Pläne der Schöni Transport  für die nächsten Jahre aus?

Wir wollen verstehen, welche Technologie wie viel CO2 produziert und wie viel Grundwasser bei der Produktion, beim Betrieb und bei der Herstellung der benötigten Energie für den Fahrbetrieb verbraucht wird. Statt der sogenannten Tank-to-Wheel-Berechnung will ich als seriöser Unternehmer wissen, welche Technologie welche Nebenschauplätze hat. Allein das zählt wirklich. Wir dürfen beispielsweise den immensen Grundwasserverbrauch für die Gewinnung von Lithium zur Herstellung von Batterien nicht einfach ausblenden. Wir müssen ehrlich die richtigen Technologien herausschälen und dürfen nicht einfach der Werbung oder einer Lobby folgen. Den Umgang mit unseren Grundwasserreserven sollten wir höher als den CO2-Ausstoss gewichten, damit unseren Kindern auch noch ausreichend Wasser zur Verfügung steht!