Nachdem wir in Liberia gemeinsam mit Einheimischen eine ausgelassene Swiss-Party gefeiert hatten, traten wir die Rückreise nach Europa an. Besonders freuten wir uns darauf, noch einmal durch Sierra Leone zu reisen. Trotz der hüpfenden Parcours-Straßen präsentierte sich das Land erstaunlich sauber, und die Menschen begegneten uns stets mit einem Lächeln und guter Laune.
Die Zollabfertigung verlief – gemessen an afrikanischen Verhältnissen – überraschend reibungslos. Allerdings mussten wir dringend tanken, denn in Liberia sind Tankstellen rar gesät, und Kraftstoff wird dort häufig in Flaschen verkauft. Frühmorgens machten wir uns jeweils auf den Weg, um die kühleren Stunden des Tages zu nutzen. So kamen wir zügig, aber dennoch entspannt durch Sierra Leone. Am Grenzübergang zu Guinea mussten wir erneut durch einen Scanner und einen Peilsender anbringen lassen.
Die Straßen in Guinea stellten uns vor besondere Herausforderungen: gefährlich, überfüllt und in sehr schlechtem Zustand. Der Verkehr war chaotisch, und wir wurden leider Zeugen mehrerer Unfälle – einige davon endeten tödlich. Die Kombination aus steilen Anstiegen, abrupten Gefällen und großen Geschwindigkeitsunterschieden verlangte höchste Konzentration. In Guinea darf man sich keine Sekunde ablenken lassen. An zahllosen Checkpoints nutzte die Gendarmerie jede Gelegenheit, uns gründlich zu kontrollieren. Der neueste Trend: Jeder LKW – offenbar speziell bei Schweizer Fahrzeugen kontrolliert – muss einen Feuerlöscher sowie zwei Warndreiecke mitführen. 🙂
Der Grenzübergang zwischen Guinea und Senegal zog sich über rund 30 Kilometer. Besonders auf der guineischen Seite brauchte man starke Nerven und viel Geduld. Es galt, diverse Stempel, Genehmigungen und weitere Stempel zu sammeln – die zuständigen Stellen lagen teils mehrere Kilometer voneinander entfernt. Dabei trafen wir sogar einige bekannte Gesichter von der Hinfahrt wieder. Ein Spediteur berichtete uns, dass sich die Zollabwicklung mitunter bis zu sechs Monate verzögern könne – meist aufgrund unvollständiger oder fehlerhafter Papiere. Gegen Mittag gelang uns schließlich die Ausreise aus Guinea. Auf der senegalesischen Seite verlief die Abfertigung vergleichsweise zügig: Nach ein bis zwei Stunden waren alle Formalitäten erledigt. Wir legten die Gänge ein und fuhren direkt in Richtung Dakar, um dort unsere Ladung für Spanien zu übernehmen. Die Straßen im Senegal sind größtenteils in gutem Zustand, wenn auch recht schmal. Und vielleicht sollte man anmerken: Wer aus Liberia Richtung Norden reist, empfindet jede halbwegs befahrbare Straße als luxuriös – schließlich gleichen die meisten Pisten dort eher einer holprigen Schweizer Forststraße.
Als wir uns an der Ladestelle in Dakar meldeten und ankündigten, dass wir am nächsten Morgen eintreffen würden, wollte man es kaum glauben. Niemand hatte erwartet, dass wir so schnell aus Liberia zurückkehren würden. Allerdings erfuhren wir, dass unsere ursprünglich geplante Fracht erst in etwa einer Woche bereit sein würde. Also setzten wir spontan unsere Kontakte in Bewegung – und wurden fündig: In Rosso gab es eine Fracht nach Perpignan, die wir übermorgen aufnehmen konnten. Wir änderten kurzerhand unsere Route und steuerten direkt Rosso an.
Am nächsten Morgen um acht Uhr standen wir bereit vor dem Passbüro, um die nötigen Ausreisestempel aus dem Senegal zu erhalten – ohne sie hätten wir das Schiff nicht betreten dürfen. Doch schon am Eingang wurden wir zurückgewiesen: Zutritt nur mit langen Hosen. Nach zwanzig Minuten kehrten wir in angemessener Kleidung zurück und hofften auf ein freundlicheres Empfangskomitee. Nach etwas Warten durften wir schließlich eintreten – in ein kleines Gebäude mit drei Reihen à vier Stühlen. Das System war simpel: Wer neu kam, setzte sich hinten hin und rückte nach jedem abgeschlossenen Vorgang einen Stuhl weiter nach vorn. Nach diesem Sesselrückspiel und erfolgreicher Genehmigung ging es zurück zu unseren LKWs. Zwei Fahrzeuge durften kurz darauf nach vorne fahren und mit der Fähre nach Mauretanien übersetzen – denn pro Überfahrt sind nur zwei LKWs zugelassen.
Rosso ist eine typische Grenzstadt, vom Nachbarland durch einen Fluss getrennt. Das Stadtbild ist geprägt von bettelnden, oft verschmutzten Kindern, die sich zwischen den LKWs bewegen und auf etwas Essbares hoffen. Plötzlich kam Unruhe auf: Die Felder seien leer, es gebe keine Melonen erster Klasse mehr. Wir mussten auf eine andere Plantage ausweichen – die wir nach einer zweistündigen Fahrt über holprige Wege schließlich erreichten.
Am nächsten Tag fuhren wir – beladen mit Melonen – durch die Sahara. Ein aufziehender Sandsturm verschlechterte die Sicht erheblich, Sanddünen türmten sich auf der Fahrbahn. Die Strecke war äußerst anspruchsvoll und extrem gefährlich – für einige Fahrzeuge endete die Reise hier. Der Sand peitschte uns um die Ohren, so stark, dass er nicht nur den Schmutz von den Trucks fegte, sondern sogar die Farbe vom Fahrerhaus abschliff. Ein Polizist stoppte uns und verhängte eine Strafe – unsere Nummernschilder seien unlesbar geworden, abgeschliffen vom Sandsturm, der wie Schmirgelpapier wirkte.
Am Hafen von Tanger wurde unsere Geduld ein letztes Mal auf die Probe gestellt. Zwei unserer drei LKWs mussten nach dem Scan komplett entladen und erneut kontrolliert werden, bevor wir sie wieder beladen durften. Danach lag nur noch eine Fährüberfahrt zwischen uns und dem europäischen Festland. Zurück in Europa lief alles vergleichsweise problemlos. Nachdem wir die Melonen in Perpignan abgeladen hatten, luden wir in Girona Ware für die Schweiz – und freuten uns schon auf unsere baldige Ankunft in Rothrist.
Die vier Abenteurer:
Daniel Schöni (54) – Unternehmer, leidenschaftlicher Fernfahrer und Reiseleiter. Mit prachgewandtheit und Verhandlungsgeschick meisterte er jeden Checkpoint.
Werner Portner (72) – Unser erfahrener Orient- und Indien-Fahrer. Je schlechter die Straßen, desto breiter sein Grinsen – ein echtes Original.
Roger Bachmann – Unternehmer und unser „Youngster”. Begleitete uns bis Senegal, musste dann leider wegen fehlendem Visum umkehren.
Marco Michel (47) – Sales MAN Schweiz. Ich hatte das Vergnügen, den Löwen zu fahren und euch ein bisschen an unserem Abenteuer teilhaben zu lassen. Ich hoffe, es hat euch gefallen!